Du willst frei sein? Bau dir eine Mauer!

Kaum hat man mühsam ein bisschen Freiraum errungen, schon kommt einer und schmeißt dich wieder bis zum Anschlag zu. Es ist, als ob irgendeine höhere Macht das riecht und sagt nein, nix da, das Leben ist kein Wunschkonzert.

Genauso ging es mir. Ich hatte ein Projekt abgeschlossen, eine andere Aufgabe delegiert und mich von einem kompletten Bereich verabschiedet. Jetzt hatte ich endlich wieder die lange vermisste Zeit, mich ums Bücherschreiben zu kümmern. Das wollte ich doch schon so lange in Angriff nehmen und das würde mir ja auch viel mehr Spaß machen als der andere Blödsinn. Ja, Pustekuchen. Obwohl nach Projektende, Aufgabendelegation und Bereichsauslagerung eigentlich massig Zeit hätte vorhanden sein müssen, war plötzlich nichts mehr davon da!

Da brach eine Katastrophe aus, die einen Feuerwehreinsatz erforderte, dort tauchte ein verlockendes Angebot auf, das ich dringend noch ausbauen wollte … und so weiter. So ging es am laufenden Band und der ganze schöne, neu erworbene Freiraum löste sich binnen kürzester Zeit in Luft auf.

So geht es vielen und immer wieder fallen wir darauf rein: Wenn dies und das erledigt ist, dann wird alles besser, dann haben wir mehr Zeit für uns und für das, was uns wirklich interessiert und Spaß macht. Life around the bend, nannte das Sir Richard Attenborough: Beim nächsten Freiraum wird alles besser!

Wird es nicht, wenn Sie keine Mauer drum herum bauen.

Wie macht man das?
Ganz einfach. Wie machen wir das denn, wenn wir einen ganz wichtigen Termin haben?

Wir tragen ihn dick im Kalender ein und sagen jedem, der auch nur den Anschein macht, hier einzudringen: „Ich hab da einen ganz ganz wichtigen Termin, lebensentscheidend, Finger weg, keiner geht mir da dran.“

Trutzburg

Selbst wenn Sie bis jetzt noch nicht genau wissen, was Sie in der gewonnenen (Frei)Zeit machen wollen und wofür Sie das wollen: Termine eintragen und eine Festung drum herum bauen.

Das ist für Sie Ihr hart erkämpftes Territorium, Ihr kleines Stückchen Land, Ihre Insel. Schützen Sie Ihre kleine Insel vor Angriffen! Diese Angriffe werden in Scharen kommen und versuchen, sie Ihnen wegzunehmen.

„Ach, du hast ja jetzt Zeit, könntest du nicht mal … ?“

„Mensch, du als Semi-Retired, kannst mir doch mal kurz unter die Arme greifen.“

Und der härteste Angreifer, die Panzerfaust:

„Jetzt, wo du endlich Zeit hast, könntest du ja auch mal für mich da sein“

Wenn Sie diesen Angriff überleben wollen, müssen Sie sehr gut vorbereitet sein. Wann sind Sie das? Dann, wenn Sie unverrückbar davon überzeugt sind, dass Sie ein Anrecht auf dieses Territorium, auf Ihre kleine Insel, auf Ihren ganz persönlichen Freiraum, Ihre persönliche Freizeit haben. Am besten klein anfangen und dann langsam ausbauen.

Natürlich sollte man nicht übertreiben. Wenn die Insel größer wird als das Festland, ist man kein glücklicher Inselbewohner mehr, sondern ein selbstverliebter Egoist mit Anspruchsneurose. Aber solche gibt es selten. Viel häufiger sind unglückliche Inselbewohner, die dem Meer ständig Inselland abtrotzen und es dann jedem Freibeuter überlassen, den die Flut an seine Gestade spült.

Daher: Sobald Sie sich wieder sagen hören „Wenn das erledigt ist, dann habe ich endlich Zeit für …“ Machen Sie sofort einen Termin, blockieren Sie diese Zeit und bauen Sie eine Mauer um Ihre kleine Insel der Glückseligkeit. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei und erholsamen Burgfrieden!

Achtsame Grüße, Matthias Wölkner

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Ein Kommentar bisher - Was sagen Sie dazu?

  1. […] meinem letzten Blog „Du willst frei sein? Bau dir eine Mauer!“ gab es einen Aufschrei unter den Leserinnen und Lesern. Viele schrieben sinngemäß: „Aber ich […]

    3. Februar 2015
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