Mach langsam, wenn’s schnell gehen muss!

Die Tage fiel meine gute Seele im Büro aus und ich, ich betone: ICH, musste Rechnungen schreiben, Eingangsrechnungen prüfen, Ablage machen …

Dabei hatte ich eigentlich gar keine Zeit und musste noch so viel Wichtigeres erledigen.

Also habe ich richtig Gas gegeben, was natürlich dazu führte, dass Fehler auftraten. Nicht dass ich die Fehler gemacht hätte, nein, sie haben sich hinterrücks eingeschlichen, die Excel-Tabelle war falsch und der PC doof und alle gegen mich. Diese Fehler führten dazu, dass ich noch mehr Zeit brauchte, und jetzt geriet ich richtig unter Druck. Wie soll ich das bloß alles schaffen? Und ich müsste doch noch … und sollte auch … Ich wage es kaum zu sagen: Ich geriet in Stress. Mr. Stressimmun persönlich: Stress?! Das geht ja gar nicht.

In diesem melancholischen Moment fiel mir die Geschichte von Michael Ende ein:

Der alte Straßenkehrer Beppo verrät seiner Freundin Momo sein Geheimnis. Das ist so:

‚Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.

Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?

Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.

Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“

Nicht mehr außer Puste, oh wie wahr, das ist wirklich wichtig, das brauchte ich jetzt. Als gelernter und zertifizierter Achtsamkeits-Trainer wusste ich, was zu tun war. Erst einmal Atmen und Loslassen. Dann ein sauberes, strukturiertes Arbeitsfeld schaffen. Alles beiseite. Nur der Vorgang, den ich jetzt bearbeite, im Blickfeld. Und dann im Hier und Jetzt Schritt für Schritt achtsam loslegen. Ein Universum für den momentanen Augenblick, nichts ist wichtiger und bedarf mehr Aufmerksamkeit als das, was ich jetzt, genau jetzt tue.

Und siehe da, plötzlich hörte ich jemanden fröhlich pfeifen. Da außer mir keiner im Büro war, konnte es nur ich selber sein. Die Arbeit war zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel weniger geworden, aber meine Stimmung beträchtlich besser.

Und am späten Nachmittag rief dann mein Kunde an und sagte: „Ihren Vortrag ‚Wie überleben wir den Wahnsinn‘ müssen wir leider um zwei Wochen verschieben.“

Die ganze Aufregung umsonst! Ich hätte mich überhaupt nicht derart abhetzen müssen. Gut dass Beppo, der Straßenkehrer, rechtzeitig vorbeigekommen war und mich erleuchtet hatte. Möge er bitte öfters vorbeischauen und mich daran erinnern, nicht „an die ganze Straße auf einmal zu denken“, sondern immer einen Schritt nach dem anderen zu machen.

Dann macht die Arbeit (egal welche) mehr Spaß, man ist wesentlich effizienter und man kommt nicht außer Puste.

Das wünsche ich Ihnen.

Achtsame Grüße

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